Zeil macht Druck auf Eon

München - Nachdem Wirtschaftsminister Martin Zeil bei CSU und SPD in die Kritik geraten ist, weil er sich bislang zu den Stellenstreichungen zurückhaltend äußerte, versucht er jetzt andere Töne anzuschlagen.

Der politische Streit um die Eon-Pläne eskaliert weiter: Der SPD-Wirtschaftspolitiker Thomas Beyer warf Wirtschaftminister Martin Zeil (FDP) vor, er sei “nicht nur eine Schlafmütze, sondern eine Null“. Er legte Zeil den Rücktritt nahe und warf dem FDP-Politiker vor, den drohenden Arbeitsplatzabbau bei E.ON “tatenlos“ hinzunehmen. “Die Passivität des Wirtschaftsministers wird zum echten Standortrisiko für Bayern.“

Die Landtags-CSU war bislang ebenfalls mit Zeils Einsatz unzufrieden: ““Guten Morgen, Herr Zeil“, kann man da nur sagen“, meinte der Münchner CSU-Wirtschaftspolitiker Markus Blume. “Es ist gut, dass sich nun auch der Wirtschaftsminister aufmacht, um für die E.ON-Standorte in Bayern zu kämpfen. Aktive Wirtschaftspolitik heißt eben, dass man nicht gleich die weiße Fahne hisst.“

Die Landtags-FDP kritisierte ihrerseits die SPD: “Was die Mitarbeiter von Eon Energie am wenigsten brauchen können, sind die Krokodilstränen des SPD-Abgeordneten Thomas Beyer“, erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer Tobias Thalhammer. “Gerade der SPD waren doch bei der Einleitung der Energiewende die absehbaren Risiken für Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft herzlich egal.“

Unterdessen befürchtet die Gewerkschaft Verdi, dass bei Eon in Bayern bis zu 2000 Arbeitsplätze gestrichen werden könnten. eil nannte diese Vermutungen aber “reine Spekulationen“. Er habe am Freitag erneut mit dem Unternehmen gesprochen. “Dabei wurde mir von der Konzernspitze bestätigt, dass Bayern das wichtigste Land für das operative Geschäft von Eon bleiben soll.“

Die Aktivitäten vor allem bei modernen Technologien und Energieeffizienz sollten nicht nur erhalten, sondern in Bayern sogar ausgebaut werden, erklärte Zeil. Die Konzernspitze habe zugesagt, dass eine mögliche Umstrukturierung sozialverträglich umgesetzt werde. Zeil vereinbarte nach eigenen Angaben ein Spitzengespräch von Staatsregierung und Eon-Management, das “zeitnah“ stattfinden soll.

Der Energiekonzern will weltweit den Abbau von 11.000 Jobs vor allem in der Verwaltung prüfen, gut 6600 davon allein in Deutschland. Im Freistaat arbeiten für Eon mehr als 8000 Menschen, darunter etwa 400 in der Münchner Zentrale der Konzern-Tochter Eon Energie, die wohl geschlossen werden soll. Nach Angaben informierter Kreise spielt dabei auch die Enttäuschung über die Staatsregierung eine Rolle. Die Eon-Spitze habe sich nicht nur über die Energiewende geärgert, sondern auch und vor allem darüber, dass die Brennelementesteuer beibehalten wurde - obwohl Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) versprochen hatte, er wolle für eine Abschaffung der Brennelementesteuer kämpfen.

dpa

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