So zocken uns die Stromkonzerne ab

München - Ein wenig fühlen sich Stromkunden so wie Autofahrer an der Zapfsäule. Ihnen kommt der Preis, den sie zahlen müssen, zu hoch vor. Eine Studie beweist nun, dass die Preise für Privatkunden tatsächlich zu hoch sind.

Wie viel Geld geben die Deutschen für Strom aus? Bei einem Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden fallen mehr als 900 Euro pro Jahr an.

Wie hat sich der Einkaufspreis für Strom verändert?

Er ist deutlich gesunken. Trotz der Stilllegung von acht deutschen Atomkraftwerken sind die Einkaufspreise an der Leipziger Strombörse um bis zu 20 Prozent gesunken. Der Grund: Der Solarstrom drückt mittags, wo früher Strom wegen des hohen Verbrauchs am teuersten war, die Preise. „In den letzten fünf Jahren zeigt sich, dass gestiegene Einkaufspreise stets unverzüglich weitergegeben wurden, Preissenkungen hingegen nicht, zumindest nicht an das Kundensegment der Haushaltskunden“, kritisiert der Energieexperte Gunnar Harms.

Wie hoch wäre ein fairer Strompreis?

In der von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebenen Studie hat Harms ausgerechnet, dass die Kilowattstunde zwei Cent billiger sein müsste.

Wie viel Geld streichen die Versorger deshalb zusätzlich ein?

Sie kassierten allein in diesem Jahr drei Milliarden Euro zu viel ab.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Die Zusammensetzung ist den wenigsten Verbrauchern klar.Insgesamt machen staatliche Steuern und Abgaben (Stromsteuer, Ökostrom-Umlage, Mehrwertsteuer, Konzessionsabgabe) bereits 45 Prozent des Strompreises aus. Der größte Batzen ist dabei der auf den Strompreis aufgeschlagene Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, gefolgt von der Ökoenergie-Umlage und der Stromsteuer ­– deren Milliarden-Einnahmen auch zur Stabilisierung der Rentenbeiträge genutzt werden.

Muss die Industrie auch tiefer in die Tasche greifen?

Nein, im Gegenteil. Während der Strom für Endverbraucher seit 2008 um 20 Prozent teurer geworden ist, können sich Sondervertragskunden über günstigere Preise freuen. Sie zahlen drei Prozent weniger als noch vor vier Jahren. Nach einer Greenpeace-Studie kosten allein die Ausnahmen für energieintensive Betriebe bei der Öko-Umlage neun Milliarden Euro pro Jahr. Die müssen die normalen Haushalte mitbezahlen. Einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden kostet die Ökostromförderung jährlich 125 Euro, davon zahlt er 31 Euro nur für die Industrie-Entlastungen. 2011 wurden 16,4 Milliarden Euro Vergütungen an die Produzenten von Ökoenergie gezahlt.

Was sagen die Stromkonzerne?

Sie wehren sich und werfen der Studie vor, einige Komponenten bei der Strombeschaffung nicht berücksichtigt zu haben. Außerdem seien die 45 Prozent Steuern und Abgaben die Kosten, die den Bürger wirklich drückten.

Wie wird sich der Strompreis entwickeln? Die Äußerungen von Umweltminister Peter Altmaier lassen nichts Gutes erwarten. „Die Preise legt die Energiewirtschaft fest. Experten erwarten aber fünf Prozent.“

Was kann der Verbraucher tun?

Vergleichen Sie die Kosten der unterschiedlichen Anbieter. Ein Wechsel ist unbürokratisch und kann bares Geld sparen.

M. Kniepkamp

Rubriklistenbild: © dpa

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