Schwager treffen sich vor Gericht wieder

Zoff bei dm: Familienstreit um Alnatura

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dm-Gründer Götz Werner setzt auf eine neue Bio-Eigenmarke.

München - Zwischen dm und Alnatura gibt's Zoff - obwohl die die Firmenbosse familiär verbunden sind. Die beiden Schwagen treffen sich vor Gericht wieder - die tz erklärt den Streit:

Der Drogeriegigant dm und die Bio-Marke Alnatura galten über Jahrzehnte als das Traumpaar des deutschen Handels. dm-Gründer Götz Werner ist der Schwager von Alnatura-Chef Götz Rehn – beide sind nicht nur durch Familienbande, sondern auch durch ihre Zuneigung zur Anthroposophie verbunden.

Jetzt entbrennt ausgerechnet zwischen dm und Alnatura ein eiskalter Handels-Krieg. Es geht darum, wer die Rechte an der Marke Alnatura hat. Gekämpft wird mit harten Bandagen: dm streicht nach und nach Alnatura-Waren aus dem Sortiment und will jetzt eine eigene Bio-Marke aufbauen. Die tz erklärt den Streit:

Worum geht es bei dem Streit genau?

Mittlerweile um sehr Grundsätzliches. Der Streit um die Rechte an der Marke Alnatura schwelt schon länger. Bereits vor knapp zwei Jahren hatten dm-Gründer Götz Werner und Wolfgang Gutberlet, Chef der Supermarkt-Kette Tegut, von Alnatura-Boss Götz Rehn verlangt, die Rechte an der Marke Alnatura zurückzugeben. Die drei hatten die Marke Alnatura im Jahr 1985 gemeinsam aus der Taufe gehoben. Damals war Rehn zum „formellen Rechtsinhaber“ der Marke erklärt worden, allerdings sicherten Klauseln den Partnern Mitbestimmungsrechte bei Verfügungen über die Marke, insbesondere der Lizenzierung Dritter, zu. Darum geht es jetzt. Denn Rehn hatte Markenrechte bereits 2008 auf die Firma Alnatura übertragen – offenbar ohne die früheren Partner zu informieren. Deshalb hatte dm-Gründer Werner den Alnatura-Chef Rehn verklagt.

Was sagen die Gerichte?

Das Landgericht Frankfurt hat Werners Klage in erster Instanz abgewiesen (AZ: 2-06 O 44/15). Der dm-Gründer hat dagegen aber bereits Berufung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt eingelegt. Ein Termin steht noch nicht fest.

Was bedeutet der Streit für die Handelsbeziehungen zwischen dm und Alnatura?

Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Denn dm baut jetzt eine eigene Bio-Marke auf. Erst am Donnerstag hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es beim weiteren Ausbau seiner Eigenmarke dmBio mit dem Öko-Landbau-Verband Naturland zusammenarbeiten wolle. „Das Ziel von Naturland ist es, Bio in die Breite zu tragen. Mit dm haben wir einen Partner ge­fun­den, der unseren Anspruch an die Qualität von Bio-Lebensmitteln teilt und der durch seine vielen Märkte in ganz Deutschland nah an den Kunden ist“, freut sich Naturland-Chef Michael Stienen. Die ersten dmBio Produkte mit dem Naturland-Zeichen werden voraussichtlich im Frühsommer in den mehr als 1700 deutschen dm-Märkten erhältlich sein – Insider munkeln, dass dm mit der Eigenmarke eine höhere Gewinnmarge erzielen könne. Für die Alnatura-Produkte wird es dagegen immer enger in den dm-Regalen: Bis Ende März sollen 70 Prozent der Alnatura-Artikel aus den meisten dm-Filialen verschwinden. Für Alnatura mit seinen 2500 Mitarbeitern ist der Rückzug des bisher wichtigsten Handelspartners ein Riesen-Problem.

Wie reagiert Alnatura?

Alnatura ist auf der Suche nach neuen Handelspartnern

Das Unternehmen versucht, die Umsatzeinbußen durch neue Partner zu kompensieren. Wichtigster Partner in Deutschland ist Einzelhandels-Gigant Edeka. „Alnatura ist mittlerweile in mehr als 3000 Edeka-Läden vertreten, das war ein großer Kraftakt“, sagt Rehn der Wirtschaftswoche. Er fügt hinzu: „Aber das reicht noch nicht, um die Umsatzeinbußen zu kompensieren.“ Deshalb kooperiert Alnatura auch mit weiteren regionalen Supermarkt-Ketten. Außerdem setzt Alnatura auf mehr eigene Filialen. Mitte März soll das hundertste Geschäft eröffnet werden – bis Jahresende sollen es 110 Märkte sein. Hier sieht Rehn noch deutlich Luft nach oben: „Da zeichnen sich noch keine Grenzen ab. Allein in München könnte ich mir 25 Alnatura-Läden vorstellen.“ Das einzige Problem dabei sei, dass es in den Metropolen kaum noch gute Standorte gebe.

Wird Alnatura komplett aus dem dm-Sortiment verschwinden?

Das ist unklar. Beide Marken sind gemeinsam groß geworden: Alnatura hat bio-affine Kunden an dm gebunden und viele Drogeriekunden haben nebenbei Alnatura-Produkte gekauft. Ginge es nach Rehn, würden seine Waren auch weiter bei dm im Regal stehen. „Die Entscheidung liegt bei dm. Wenn bei dm Interesse besteht, werden wir weiter zusammen arbeiten“, so Rehn.

Mk

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