GM Europa bestätigt Ablauf der Abgabefrist - Brückenfinanzierung steht

Drei Opel-Interessenten haben Angebote vorgelegt

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Das Tauziehen um Opel geht in die alles entscheidende Phase.

Berlin - Das Tauziehen um Opel geht in die alles entscheidende Phase: Drei potenzielle Investoren reichten am Mittwoch ihre Konzepte ein, jetzt entscheidet die Bundesregierung.

Sowohl der italienische Autobauer Fiat als auch der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna und der US-Finanzinvestor Ripplewood hätten für Opel geboten, bestätigte ein Sprecher von General Motors Europa der Nachrichtenagentur AP am Abend auf Anfrage. Als einziger der drei Interessenten gab Fiat eine Erklärung ab: Man habe für Opel sowie für die britische General-Motors-Tochter Vauxhall geboten, hieß es in Turin. Falls die Transaktion zustande komme, werde ein neues Unternehmen geschaffen, “das die Aktivitäten von Fiat inklusive seiner Beteiligung an Chrysler sowie Opel umfassen wird“. Details dieses Angebots wurden nicht bekannt. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte Opel zuletzt offen umworben und war mehrfach mit Politikern und Gewerkschaftern zusammengetroffen.

Zum Interessenten Magna berichtete die “Rheinische Post“ unter Berufung auf Unternehmenskreise, der Konzern habe Punkt 18 Uhr zusammen mit dem russischen Autobauer Gaz sein Übernahme-Konzept eingereicht. Zu dieser Zeit endete die ursprüngliche Abgabefrist der Bundesregierung; zwischenzeitlich war von einer Verlängerung bis Mitternacht die Rede. Die Regierung äußerte sich zunächst nicht zu den eingegangenen Konzepten. Bis Ende nächster Woche will sie die Angebote aber prüfen und Klarheit schaffen. Opel hat in Deutschland vier Standorte und beschäftigt rund 25.000 Mitarbeiter.

Regierung beriet über weiteres Vorgehen

Regierungschefin Angela Merkel (CDU) hatte am Vormittag mit Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) und mehreren Bundesministern über das Vorgehen beraten. Einer der Teilnehmer, Arbeitsminister Olaf Scholz, sagte anschließend, es sei sinnvoll, “im Laufe dieser oder nächste Woche“ eine Lösung zu finden. “Es ist uns natürlich wichtig, dass wir möglichst schnell eine klare Zukunft haben für das Unternehmen und für die Arbeitnehmer“, sagte Scholz. Zentrales Ziel sei der Erhalt der deutschen Standorte und möglichst vieler Arbeitsplätze. Man wolle rechtzeitig vor Ende dieses Monats eine Entscheidung treffen.

Opel soll einem Treuhänder übergeben werden

Um zu verhindern, dass staatlich verbürgte Finanzmittel an die angeschlagene Opel-Mutter General Motors abfließen, will die Regierung Opel einem Treuhänder übergeben, also etwa einer Anwaltskanzlei oder einem Unternehmensberater. Der Bund erhofft sich davon, Opel aus einer wahrscheinlichen Insolvenz von GM heraushalten zu können. Diese wird möglicherweise am 28. Mai eröffnet. Bund und Länder einigten sich unterdessen auch über eine Aufteilung der Zwischenfinanzierung für Opel. Das hessische Finanzministerium bestätigte einen HR-Bericht, wonach der Bund mit 750 Millionen Euro und Hessen mit 447 Millionen Euro den Löwenanteil der von Opel benötigten Staatsbürgschaften in einer Gesamthöhe von 1,5 Milliarden Euro übernehmen. Nordrhein-Westfalen übernehme 150 Millionen Euro, Rheinland-Pfalz 102 Millionen Euro und Thüringen 51 Millionen Euro, sagte Ministeriumssprecher Michael Scheerer. Der Kredit soll dem Autobauer von verschiedenen staatlichen Banken, wie der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), zur Verfügung gestellt werden.

Forster: Arbeitsplatzabbau von Lohnzugeständnissen abhängig

Der Europachef von General Motors (GM), Carl-Peter Forster, bekräftigte, dass Opel auch im Fall der Insolvenz seiner Konzernmutter unverändert weiter arbeiten könne und Zugriff auf alle Technologien behalte. Weiter sagte Forster dem Magazin “Auto Motor und Sport“, zu dem Szenario, dass im Falle eines Zusammengehens mit Fiat bis zu 18.000 Arbeitsplätze bei Fiat und Opel abgebaut werden könnten: “Es werden sicherlich auch Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Wie viele und wo, kann ich noch nicht sagen. Das hängt davon ab, zu welchen Lohnzugeständnissen die Arbeitnehmer bereit sind.

AP

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