Konzern leidet unter der Wirtschaftskrise: Post-Chef Appel will Personal sparen

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Post- Vorstandschef Frank Appel erklärte am Mittwoch in Bonn, dass der Konzern schwer unter den Folgen der Wirtschaftskrise zu leiden habe. Jetzt solle an den Personalkosten gespart werden.  

Bonn - Die Deutsche Post ist als internationaler Konzern schwer von der Wirtschaftskrise erwischt worden und will massiv Kosten senken. Davon sollen auch die rund 80 000 Briefträger in Deutschland betroffen sein.

“Wenn wir Arbeitsplätze langfristig sichern wollen, dann darf es keine heiligen Kühe geben“, sagte Post- Vorstandschef Frank Appel am Mittwoch in Bonn. Dabei gehe es etwa um die Verlängerung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnerhöhung, Lohnverzicht, Auslagerung von Diensten an andere Firmen und die Vergrößerung von Zustellbezirken.

Damit bahnt sich ein Konflikt mit der Gewerkschaft ver.di an. Möglichst rasch will die Post mit dem Tarifpartner nun über Maßnahmen zur Kostendämpfung sprechen. Ver.di kündigte bereits Widerstand gegen die Forderungen und Vorstöße von Appel an. Eine Verlängerung der Arbeitszeiten etwa würde tausende Arbeitsplätze bedrohen.

Im Vorjahr hatten sich Post und ver.di auf einen Tarifvertrag mit Lohnerhöhungen für die 130 000 Tarifbeschäftigten verständigt. Dazu sagte Appel nun, die Post habe die höheren Lohnkosten nicht mehr kompensieren können. Für Dezember ist bereits eine weitere Lohnerhöhung von drei Prozent vereinbart.

Im Briefbereich gebe es bei dauerhaft sinkenden Sendungsmengen strukturelle Herausforderungen, keine vorübergehenden Nachfrageprobleme wie zum Beispiel in der Autoindustrie, erklärte Appel. “Deshalb ist Kurzarbeit nichts, was uns hier helfen würde, die Kosten zu senken.“ Hier seien andere Maßnahmen, wie eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit, notwendig, um das Geschäft fit für die Zukunft zu machen. “Wenn wir jetzt nichts tun, werden wir in ein paar Jahren gezwungen sein, die Notbremse zu ziehen.“

Auf Grund der Wirtschaftskrise verzeichnete der Bonner Konzern im ersten Quartal 2009 einen dramatischen Einbruch in den Sendungsmengen auf allen Geschäftsfeldern. Das führte auch zu einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (EBIT). Das Ergebnis des Briefgeschäfts ging dabei um etwa 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück.

Vor allem Versandhäuser fuhren ihre Ausgaben für Werbesendungen herunter, was zu niedrigeren Sendungsmengen für die Post führte. Die jüngsten Daten deuteten insgesamt zwar auf ein Erreichen der Talsohle hin, die Post bereite sich aber auf ein längeres Anhalten der weltweiten Flaute vor, sagte Appel. Das Unternehmen erklärte, dass die Wirtschaftskrise im Konzern “Schwachstellen“ offengelegt habe, die nun angegangen werden müssten.

Im Briefbereich sollen das Drehen an der Personalkostenschraube sowie operative Änderungen schon in diesem Jahr für einen positiven Effekt von rund 300 Millionen Euro sorgen. So sollen etwa Sendungen, die bisher über das Nachtflugpostnetz transportiert wurden, künftig auf dem kostengünstigen Landweg befördert werden. Da es immer mehr elektronische Kommunikation wie E-Mails gebe, müsse die Post ihre Angebote in diesem Bereich ausweiten, sagte Appel. Die Post arbeite hier bereits an neuen Produkten für eine sichere und zuverlässige elektronische Kommunikation.

Auch die Expresssparte soll umgebaut werden, um “schlanker und schlagkräftiger“ zu werden. Managementebenen sollen entfallen, und Synergien sowohl auf globaler als auch auf regionaler Ebene gehoben werden. Der Expressbereich soll mit 460 Millionen Euro zu Kosteneinsparungen beitragen. Bis Ende 2010 sollen im Konzern indirekte Kosten um mindestens eine Milliarde Euro gesenkt werden. Im ersten Quartal 2009 brach der Konzernumsatz um rund 13 Prozent von 15,75 auf 11,5 Milliarden Euro ein.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) fiel um 95 Prozent von 539 auf 27 Millionen Euro. Hier wirkten sich vor allem Einmalbelastungen wegen der Aufgabe des DHL Express-Geschäfts in den USA aus. Vor diesen Sondereffekten fiel das EBIT um 42,1 Prozent von 539 auf 312 Millionen Euro. Dank von Sondererlösen im Zuge des Postbank-Verkaufs an die Deutsche Bank (Bewertung von Verkaufsoptionen) wurde für das erste Quartal ein Konzerngewinn von 944 Millionen Euro ausgewiesen. Die positiven Effekte durch den Postbank-Verkauf werden nach Angaben des Unternehmens auch zu einem positiven Nettoergebnis im Gesamtjahr 2009 führen. Im Vorjahr hatte die Post noch einen Verlust von knapp 1,7 Milliarden Euro geschrieben.

dpa

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