Porsche-Eigner beraten über Porsche/VW-Konzern

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Die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch beraten am Mittwoch über die Zukunft des Porsche/VW-Konzerns.

Salzburg/Stuttgart/Wolfsburg - Die Familien Porsche und Piëch schmieden ein neues Konzept für die Zukunft des Riesenkonzerns Porsche/VW. Am Mittwoch wollten die Porsche-Eigner bei einem Treffen im österreichischen Salzburg nach einer Lösung suchen, wie sie den Sportwagenbauer von seiner drückenden Schuldenlast befreien können.

Zur Debatte stehen eine Fusion der Sportwagenschmiede mit Europas größtem Autobauer oder ein Verkauf der Porsche AG an Volkswagen. In Stuttgart hieß es vor Beginn des Treffens, der Zusammenschluss der beiden Autobauer sei die wahrscheinlichere Lösung. Das Ergebnis der Familienklausur galt aber als offen.

Porsche kämpft nach der Aufstockung seiner Anteile an VW auf knapp 51 Prozent mit einer Verschuldung von neun Milliarden Euro. Das hat auch den ursprünglichen Plan durcheinandergebracht, wonach Porsche seinen Anteil an VW noch in diesem Jahr auf 75 Prozent ausbauen und das Ruder in Wolfsburg übernehmen wollte.

Wolfgang Porsche (re.), der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche Automobil Holding, und Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender von VW. Der Porsche-Piëch-Clan trifft sich am Mittwochnachmittag (06.05.2009) im österreichischen Salzburg zu Beratungen über die Zukunft des Konzerns Porsche/VW.

Das Land Niedersachsen, das mit seiner Sperrminorität an VW nach der Satzung und dem VW-Gesetz ein wichtiges Wort bei der Lösung mitreden kann, erklärte unmittelbar vor Beginn des Treffens, die Landesregierung in Hannover erwarte, dass dort festgelegt werde, “wer an uns herantritt und wer mit uns verhandelt.“ Es gehe dem Land vor allem um die Arbeitsplätze und eine positive wirtschaftliche Entwicklung des Autobauers, sagte ein Regierungssprecher.

Der VW-Betriebsrat pocht ebenfalls auf Mitsprache. Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte der dpa: “Wer immer etwas von Volkswagen will, der kommt an den Belegschaften nicht vorbei.“ Und er fügte hinzu: “Mit uns wird es generell keine Entscheidungen geben, die schlecht sind für unseren Konzern, die deutsche Mitbestimmung, das VW-Gesetz und damit für die mehr als 360 000 Beschäftigten. Alle Entscheidungen über Volkswagen fallen letztendlich in Wolfsburg.“

Bei dem Treffen in Salzburg sollten Wiedeking und Porsche- Finanzvorstand Holger Härter dem engsten Familienkreis um Porsche- Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und VW- Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ihren Entschuldungs-Plan präsentieren. Demnach soll Porsche mit VW fusionieren.

Das dringend benötigte frische Geld soll den Plänen zufolge über eine Kapitalerhöhung beschafft werden. Dabei sollen die Familien mehrere Milliarden Euro aus ihrem Vermögen zuschießen. Außerdem soll ein neuer Investor einsteigen, der neben der Familie und dem Land Niedersachsen zum dritten VW-Großaktionär wird. Interessenten gibt es dem Vernehmen nach genug - darunter auch das Emirat Katar.

VW-Aufsichtsratschef Piëch bevorzugt dagegen offenbar eine Lösung, die VW-Chef Martin Winterkorn und Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch erarbeitet haben sollen. Demnach soll der VW-Konzern das Autogeschäft von Porsche kaufen. Mit dem Erlös könnte die Porsche Holding ihre Schulden tilgen.

An der Spitze der neuen Gesellschaft hätten dann voraussichtlich VW-Manager das Sagen und Porsche wäre eine von vielen Marken im VW-Konzern. Piëchs Vetter Wolfgang Porsche hat diesen Vorschlag aber bereits zurückgewiesen: “Die Porsche AG wird nicht an VW verkauft“, verlautete aus Stuttgart-Zuffenhausen.

Auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück wandte sich am Mittwoch im Fernsehsender n-tv gegen einen Verkauf. Die Belegschaft sei “sehr irritiert, was hier im Moment diskutiert wird“. Er forderte von den Eignerfamilien des Sportwagenbauers eine Kapitalerhöhung zur Bewältigung der milliardenschweren Schuldenlast. “Es wird Zeit, dass auch die Familie Porsche und Piëch Kapitalerhöhungen machen, um die Schulden auszugleichen.“

Zwischen den Porsche-Eignern gibt es dem Vernehmen nach eine Vereinbarung, dass wichtige Entscheidungen immer einvernehmlich getroffen werden. Zum engeren Familienkreis zählen auch Wolfgang Porsches Bruder Hans-Peter, sein Neffe Ferdinand Oliver und Piëchs Bruder Hans Michel. Sie alle sitzen auch im Porsche SE Aufsichtsrat.

dpa

Porsche kämpft nach der Aufstockung seiner Anteile an Europas größtem Autobauer VW auf knapp 51 Prozent mit einer Nettoverschuldung von neun Milliarden Euro. Darüber, wie die Stuttgarter diesen Berg abtragen können, wird seit Wochen spekuliert.

Auf dem Tisch lagen zuletzt dem Vernehmen nach zwei Konzepte. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche favorisiert Medienberichten zufolge eine Fusion des Sportwagenbauers mit VW. Das dringend benötigte frische Geld müsste sich der neue Konzern über eine Kapitalerhöhung besorgen. Dabei sollen die Familien Geld aus ihrem Privatvermögen zuschießen.

Außerdem soll den Plänen zufolge ein neuer Investor einsteigen, der neben dem Porsche/Piëch-Clan und dem Land Nie

ersachsen zum dritten VW-Großaktionär wird. VW- Aufsichtsratschef Piëch bevorzugt den Berichten zufolge aber ein Gegenkonzept, wonach der VW-Konzern das Autogeschäft von Porsche kaufen soll.

dpa/mol

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