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„Im freien Fall auf die Mondoberfläche gestürzt“ – Ursache für gescheiterte Mondlandung gefunden

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Takeshi Hakamada, Gründer und CEO von ispace, mit einem Modell des Mondlanders „Hakuto-R“.
Takeshi Hakamada, Gründer und CEO von ispace, mit einem Modell des Mondlanders „Hakuto-R“. © dpa/Kyodo News via AP

Der Mondlander der japanischen Firma ispace hat offenbar seine eigene Höhe falsch eingeschätzt – und ist deshalb letztendlich auf dem Mond abgestürzt.

Tokio – Als vor etwa einem Monat die Mondlandung der japanischen Raumfahrtfirma ispace scheiterte, war das Rätselraten groß: Was war mit dem Mondlandegerät „Hakuto-R“ geschehen? Schließlich hatten die Daten bis zum Ende gut ausgesehen und erst kurz nach der geplanten Landezeit kamen keine Daten vom Mond mehr auf der Erde an. Inzwischen hat ispace die erhaltenen Daten ausgewertet und weiß eigenen Angaben zufolge, was das Problem war.

„Während des Abstiegs kam es zu einem unerwarteten Verhalten bei der Höhenmessung des Landers. Der wahrscheinlichste Grund für die falsche Höhenschätzung des Landers war, dass die Software nicht wie erwartet funktionierte“, heißt es in einer Stellungnahme des japanischen Unternehmens. Der Lander habe offenbar gedacht, dass er sich auf der Höhe „Null“ – also der Mondoberfläche – befinde, während er sich tatsächlich noch in etwa fünf Kilometern Höhe befand, wie man später herausgefunden habe.

Die Mondlandung von ispace ist gescheitert – Mondlander ist abgestürzt

Nachdem die geplante Landezeit erreicht wurde, habe „Hakuto-R“ seinen Sinkflug mit geringer Geschwindigkeit fortgesetzt, bis ihm der Treibstoff ausgegangen sei. „Zu diesem Zeitpunkt wurde der kontrollierte Sinkflug des Landegeräts abgebrochen, und es wird angenommen, dass es im freien Fall auf die Mondoberfläche stürzte“, schreibt das japanische Unternehmen weiter.

Dieser vermutete Hergang würde auch zu den Aufnahmen passen, die die US-Raumfahrtorganisation Nasa vom Mond veröffentlicht hat. Auf Bildern, die die Raumsonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“ (LRO) nach der gescheiterten Mondlandung von der geplanten Landestelle gemacht hat, sind mehrere Trümmerteile zu erahnen, außerdem haben Fachleute einen mutmaßlichen Einschlagskrater identifiziert.

Mission von „Hakuto-R“: Es wäre die erste private Mondlandung gewesen

Auch wenn die prestigeträchtige Landung – es wäre die erste private Mondlandung und die erste Landung Japans auf dem Mond gewesen – nicht geklappt hat, gibt man sich bei ispace optimistisch. Auf Grundlage der Flugdaten will man bei der geplanten zweiten Mondmission erneut auf ein Lander-Modell aus Serie 1 setzen – allerdings sollen Verbesserungen an der Software vorgenommen werden.

Die nächsten Mondmissionen von ispace sind für die Jahre 2024 und 2025 geplant. Den Erfolg der ersten privaten Mondlandung könnte bis dahin jedoch ein anderes Unternehmen für sich beanspruchen: Die Firmen Astrobotic und Intuitive Machines wollen unabhängig voneinander ebenfalls auf dem Mond landen. Beide Missionen könnten noch im Jahr 2023 starten. Astrobotic wartet auf den Start der ersten „Vulcan“-Rakete der United Launch Alliance, die den „Peregrine“-Lander auf Kurs zum Mond bringen soll. Der Start des Mondlanders „Nova-C“ von Intuitive Machines soll mit einer „Falcon 9“-Rakete von SpaceX stattfinden. Derzeit ist er für das dritte Quartal 2023 geplant – der Start wurde jedoch bereits mehrfach verschoben.

Doch auch bei den künftigen Mondmissionen ist ein Scheitern nicht ausgeschlossen: Auch „Hakuto-R“ war nicht die erste Mondlandung, die in den vergangenen Jahren gescheitert ist. Mondlandungen sind auch mehrere Jahrzehnte nach den „Apollo“-Missionen noch schwer. (tab)

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